
Insights / Fachbeiträge /
Integration & Carve-out
SAP und KI: Mit Joule arbeiten Fachabteilungen wieder selbst im ERP

Christian Küpper
3 Minuten Lesezeit
Leistung
Wer in den letzten zehn Jahren mit Fachabteilungen gearbeitet hat, kennt das: Sobald es um SAP geht, greifen die Leute zur Excel-Datei, zu Power Apps oder zu irgendeinem Tool, das nichts mit dem offiziellen System zu tun hat. Hauptsache, man kommt weg von den Transaktionscodes und sperrigen Oberflächen. In vielen Unternehmen war SAP zwar da, aber kaum jemand hat wirklich gern damit gearbeitet. Mit generativer KI ändert sich das gerade, und zwar schneller als gedacht.
Joule im Controlling und im Einkauf
Joule, der KI-Assistent von SAP, ändert den Umgang mit Daten. Wer bisher eine Transaktion aufgerufen, Parameter gesetzt und einen Bericht erzeugt hat, stellt jetzt eine einfache Frage und bekommt eine brauchbare Antwort, direkt im System und ohne zehn Minuten Klickarbeit.
Beispiel: Der Controller fragt „Wie haben sich die Materialkosten im letzten Quartal verändert?“, und Joule zeigt ihm die Kennzahlen direkt im Chat oder führt ihn zur passenden Auswertung, ohne dass jemand die Info vorher zusammensuchen muss. Oder der Einkäufer fragt, wo er eine Bestellung anlegt, und Joule bringt ihn direkt zur passenden App.
Weniger Schattenlösungen neben SAP
Die Leute nutzen SAP wieder selbst, direkt und ohne Umweg über die IT. Das war lange Zeit nicht der Fall. Außerdem geht es schneller, die Oberfläche ist neu, und niemand muss mehr zwischen fünf Tools springen.
Man merkt das vor allem dort, wo bisher Schattenlösungen gepflegt wurden: im Controlling, im Einkauf, im Vertrieb. Mit Joule und Co. gibt es keinen Grund mehr, Zahlen aus SAP rauszuziehen, sie in Excel zu schieben, weiterzurechnen und dann irgendwo in der Organisation zu verlieren.
Folgen für das Geschäft
Wenn man sich nicht mehr mit der Bedienung aufhält, bleibt mehr Zeit für die eigentliche Arbeit. Fehler durch Copy-Paste verschwinden, und Entscheidungen basieren wieder auf aktuellen Zahlen. Vor allem schauen alle auf dieselbe Datenbasis. Das allein räumt intern schon viel Konfliktpotenzial auf.
Im August 2025 galt: Das Ganze spielte sich in der Cloud ab, S/4HANA war Voraussetzung, und wer noch auf ECC saß, konnte das so nicht erleben. Für viele Firmen wurde das zum Argument, die Migration endlich anzugehen, weil es den Alltag besser macht. Inzwischen bringt SAP ausgewählte Joule-Funktionen auch in On-Premise-Systeme mit S/4HANA oder ECC.
Fazit
Es wirkt ein bisschen so, als würde SAP gerade sein Image reparieren, mit Funktionen, die endlich mal wirklich etwas bringen. KI macht das System wieder benutzbar für Menschen, die sonst einen Bogen darum gemacht haben.
Quellen
SAP News, Joule, 26.09.2023: news.sap.com
SAP Learning, Introducing SAP Joule Core Capabilities: learning.sap.com
SAP Learning, Getting to know Joule agents: learning.sap.com
Weitere Beiträge
KI-Governance
Der Agent hat grün. Wer unterschreibt? KI-Governance für Hersteller von KRITIS-Software
Seit dem 11. September 2026 müssen Softwarehersteller aktiv ausgenutzte Schwachstellen binnen 24 Stunden melden. Für Hersteller von KRITIS-Software kommen über die Lieferkette NIS-2 und mit der ersten KI-Funktion im Produkt der AI Act hinzu.

Benedikt Meyer
Integration & Carve-out
Post-Merger-Integration in Multitechnikunternehmen: Die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Kaufvertrag
Mit einem Zukauf übernehmen Multitechnikunternehmen fremde Prozesse, ERP-Systeme und Stammdaten. Über die Integration entscheiden Operating Model und Stammdaten, und in den ersten 100 Tagen müssen Verantwortlichkeiten und Prozesse feststehen.

Benedikt Meyer
KI-Governance
Das Transformation Paradox: Kennzahlen und Anreize bremsen den Nutzen von AI
Laut Work Trend Index 2026 von Microsoft stützen Kennzahlen, Anreize und Normen in vielen Unternehmen weiter die alte Arbeitsweise. Die Führung muss klären, wofür sie Teams belohnt und wer Agents bauen, freigeben und abschalten darf.

Patrick Pieruschka