
Insights / Fachbeiträge /
KI-Governance
Agentic AI in Azure Operations: Copilot Agents, Foundry und Leitplanken

Patrick Pieruschka
5 Minuten Lesezeit
Leistung
Auf der Ignite 2025, dem jährlichen Tech-Event von Microsoft im November, hat der Konzern angekündigt, dass Azure Copilot im Betrieb Aufgaben planen und nach Freigabe ausführen soll. Wenn man das ernst nimmt, ist das der Versuch, Agentic AI als neuen Standard-Stack auf Azure zu etablieren.
Im Betriebsalltag vieler Organisationen kommt ein Alarm aus Azure Monitor herein, die Finanzabteilung fragt nach steigenden Cloud-Kosten, und irgendwo läuft ein Script „nur kurz“ gegen drei Subscriptions. Das bedeutet viel Kontextwechsel und Handarbeit, und das nötige Wissen steckt im Kopf einzelner Leute.
Arbeitsweise eines Agenten
Ein Chatbot erklärt, wie etwas geht. Ein Agent bekommt den Auftrag „Mach das bitte sauber, kontrolliert und nachvollziehbar“ und arbeitet ihn in einem Loop aus drei Schritten ab:
Planen: Der Agent macht aus dem Auftrag einen Ablauf: Schritte, Abhängigkeiten, Checks und Risiken.
Handeln: Der Agent ruft Werkzeuge auf und führt Aktionen aus: IaC erzeugen, Workflows starten, Logs abfragen, Konfigurationen bewerten, Änderungen vorbereiten. In Microsoft Foundry werden diese Werkzeuge zentral verwaltet.
Prüfen: Der Agent validiert das Ergebnis: Hat es funktioniert? Wurden Policies eingehalten? Sind Auswirkungen und Kosten plausibel? Wenn nicht, korrigieren oder eskalieren.
Damit das im Konzernumfeld wirklich nutzbar ist, kommen zwei Dinge dazu:
Memory: Ein Agent braucht Kontext, sonst wird er nervig. Für den Foundry Agent Service hat Microsoft auf der Ignite 2025 ein eingebautes Gedächtnis („built-in memory“) als Preview vorgestellt, damit Ergebnisse und Zustände über Sessions hinweg nutzbar bleiben.
Multi-Agent: Gefragt ist Spezialisierung (Kosten, Observability, Resilienz, Migration) plus eine Orchestrierung, die alles zusammenhält. Microsoft hat dafür auf der Ignite 2025 Multi-Agent Workflows in Foundry als Preview vorgestellt, inklusive Versionierung und beobachtbarer Ausführung. Inzwischen hat Microsoft angekündigt, diese Workflows zum 1. Dezember 2026 einzustellen, und empfiehlt für neue Vorhaben das Microsoft Agent Framework.
Der Azure-Stack dahinter: Copilot Agents, Foundry und Governance
Wenn man es entmystifiziert, sind es drei Bausteine:
Azure Copilot Agents: Das ist die Bedienoberfläche und gleichzeitig die Agenten-Ebene für den Cloud-Betrieb. Microsoft hat auf der Ignite 2025 sechs spezialisierte Agents als Preview vorgestellt, unter anderem für Migration, Optimization, Observability, Resiliency und Troubleshooting. Aktionen führen sie nur nach Freigabe aus, innerhalb von RBAC und Azure Policy.
Foundry Agent Service: Das ist die Runtime, in der Agents gebaut und betrieben werden: Hosting, Tools, Memory, Orchestrierung, Observability. Das ist der Teil, der aus „Prompt“ eine betriebsfähige Lösung machen soll.
Control Plane und Identity: Ohne Governance wird Agentic AI schnell gefährlich, weil „falsche Antwort“ zu „falscher Change“ wird. Microsoft setzt hier auf Microsoft Entra Agent ID, damit Agenten eigene Identitäten haben und Aktionen sauber zuordenbar sind. Als Control Plane für Agent-Fleets kommt Agent 365 dazu, mit Inventar, Zugriffsregeln, Überwachung und Compliance gegen Agent-Sprawl.
Referenzarchitektur in sechs Ebenen
Experience: Azure Portal, CLI, PowerShell, Azure Copilot, optional Teams oder Microsoft 365
Agenten-Ebene: Copilot orchestriert spezialisierte Agents für typische Ops-Aufgaben
Runtime: Foundry Agent Service hostet Agents und Memory
Werkzeug-Ebene: Azure APIs, ARM, Azure Monitor, Cost Management, ITSM, CI/CD als kontrollierte Tool Calls
Knowledge: Logs, Runbooks, Standards, Architekturwissen, plus Foundry IQ als Wissensschicht
Governance: Microsoft Entra Agent ID, RBAC, Policy, Audit und Security Monitoring
Die Bausteine sind in den Ignite- und Foundry-Quellen so beschrieben, die Zuordnung zu den Ebenen ist eine praktische Darstellung für den Betriebsalltag.
Drei Start-Use-Cases im Konzernumfeld
FinOps Optimization: FinOps scheitert oft daran, gefundenes Einsparpotenzial umzusetzen. Der Optimization Agent soll schneller von der Erkenntnis zu einer kontrollierten Maßnahme führen, inklusive Einordnung und Umsetzungsschritten. Im Finanzwesen müssen solche Maßnahmen nachvollziehbar und auditierbar sein, ohne Skript-Zirkus.
Incident Response und Observability: Wenn ein Alarm aufschlägt, geht Zeit in Suchen und Zusammenklicken drauf. Ein Observability oder Troubleshooting Agent kann Queries bauen, Hypothesen priorisieren, Maßnahmen vorschlagen und den Ablauf dokumentieren. Orchestrierung und Observability sind dabei entscheidend, weil sie das Ganze als Prozess behandelbar machen.
Migration und Modernisierung: Ein Migration Agent kann helfen, Discovery, Zielbild, Policy Checks, Deployment und Validierung stärker zu standardisieren. Schon wenn nur die ersten Schritte konsequent automatisiert sind, steigt das Tempo, und es passieren weniger Fehler.
Risiken und Leitplanken
Identity und Least Privilege: Agenten brauchen eigene Identitäten und enges RBAC mit klaren Scopes.
Werkzeug-Governance: Die Werkzeug-Ebene ist der neue Perimeter: nur freigegebene Tools, klare Grenzen, Approval wo nötig.
Audit und Logging: Jede Agent-Aktion muss rekonstruierbar sein. Control Plane und Fleet-Ansatz helfen dabei, wenn die Konfiguration sauber ist.
Prompt Injection und Data Leakage: Purview und Security Controls gehören dazu, sonst wird es unschön.
Evaluation und Red Teaming: Agents testet man wie Anwendungen: Qualitätsmetriken, Safety Tests, kontinuierliche Evaluations.
90-Tage-Plan in fünf Schritten
Use Case wählen, der messbar ist: FinOps oder Incident Triage mit KPIs.
Guardrails zuerst: Entra, RBAC, Policy Baseline, Audit-Anforderungen, Tool-Freigaben.
Mini-Agent-Factory: Foundry-Projekt, ein bis zwei Tools, ein klar umrissener Ablauf, Observability ab Tag 1.
Testen wie Angreifer und Auditor: Prompt Injection, Datenzugriff, Logging, Change-Freigaben.
Rollout als Betriebsprodukt: Ownership, Runbooks, Notfallstopp, Monitoring, Inventar gegen Agent-Sprawl.
Unterm Strich hat Microsoft auf der Ignite 2025 Agenten zum Kern seiner Pläne für den Betrieb auf Azure gemacht. Für viele Unternehmen passt diese Richtung, denn sie wollen weniger Handarbeit und mehr Standardisierung, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Quellen
Microsoft, Ignite 2025 Book of News: news.microsoft.com
Announcing Azure Copilot agents and AI infrastructure innovations, Azure-Blog, 18.11.2025: azure.microsoft.com
Agents in Azure Copilot, Microsoft Learn: learn.microsoft.com
Weitere Beiträge
KI-Governance
Der Agent hat grün. Wer unterschreibt? KI-Governance für Hersteller von KRITIS-Software
Seit dem 11. September 2026 müssen Softwarehersteller aktiv ausgenutzte Schwachstellen binnen 24 Stunden melden. Für Hersteller von KRITIS-Software kommen über die Lieferkette NIS-2 und mit der ersten KI-Funktion im Produkt der AI Act hinzu.

Benedikt Meyer
Integration & Carve-out
Post-Merger-Integration in Multitechnikunternehmen: Die eigentliche Arbeit beginnt nach dem Kaufvertrag
Mit einem Zukauf übernehmen Multitechnikunternehmen fremde Prozesse, ERP-Systeme und Stammdaten. Über die Integration entscheiden Operating Model und Stammdaten, und in den ersten 100 Tagen müssen Verantwortlichkeiten und Prozesse feststehen.

Benedikt Meyer
KI-Governance
Das Transformation Paradox: Kennzahlen und Anreize bremsen den Nutzen von AI
Laut Work Trend Index 2026 von Microsoft stützen Kennzahlen, Anreize und Normen in vielen Unternehmen weiter die alte Arbeitsweise. Die Führung muss klären, wofür sie Teams belohnt und wer Agents bauen, freigeben und abschalten darf.

Patrick Pieruschka